„… jede derartige Überführung […] soll in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen.“
Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg
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1Sachtext
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs waren Millionen Menschen in Europa auf der Flucht. Seit Ende 1944 rückte die Rote Armee immer weiter nach Westen vor. Viele Deutsche aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien flohen vor den Kämpfen und aus Angst vor der sowjetischen Armee. Ganze Familien waren zu Fuß, mit Pferdewagen oder in überfüllten Zügen unterwegs. Die Flucht im Winter 1944/45 fand teilweise bei großer Kälte und unter lebensgefährlichen Bedingungen statt.
Die Ereignisse hatten eine Vorgeschichte: Das nationalsozialistische Deutschland hatte mit dem Überfall auf Polen 1939 und dem anschließenden Besatzungs- und Vernichtungskrieg enormes Leid über Mittel- und Osteuropa gebracht. Millionen Menschen wurden verfolgt, verschleppt oder ermordet. Nach der deutschen Niederlage wurden Grenzen und Herrschaftsgebiete in Europa neu geordnet.
Die ehemaligen deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße kamen unter polnische beziehungsweise sowjetische Verwaltung. Auch in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn lebten deutschsprachige Bevölkerungsgruppen. Nach Kriegsende mussten viele von ihnen ihre Wohnorte verlassen. Wenn Menschen nicht aus unmittelbarer Gefahr fliehen, sondern zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen werden, spricht man von Vertreibung.
Auf der Potsdamer Konferenz vereinbarten die USA, Großbritannien und die Sowjetunion im Sommer 1945, dass die noch in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn lebenden Deutschen nach Deutschland überführt werden sollten. Diese Überführungen sollten geordnet und human erfolgen. In der Realität waren Flucht, Vertreibung und Transporte für viele Menschen jedoch von Gewalt, Verlust, Hunger und großer Unsicherheit geprägt.
In den vier Besatzungszonen mussten innerhalb kurzer Zeit Millionen Menschen zusätzlich untergebracht und versorgt werden. Wohnraum und Lebensmittel waren ohnehin knapp. Bis 1946 lebten in den Besatzungszonen bereits mindestens zehn Millionen Vertriebene. Ihre Aufnahme wurde damit zu einer der großen gesellschaftlichen Aufgaben der Nachkriegszeit.
2Historische Quellen